Physik statt Verschwörung

Sieht irre aus, aber Chemtrail ist es nicht – Zwei von zahllosen Beispielen.

Es tut mir so leid. Ich will euch nicht stören und/oder aus euren Schwärmereien bringen, aber es ist nicht das, was ihr denkt. Nicht in diesem Fall! Normalerweise kommentiere ich so etwas nicht. So die ganz harten Verschwörungstheorien sind mir zu schräg: Chemtrails, Reptiloiden und so ein Zeug. Komische Sachen gibt es da. Aber jetzt doch, weil ich über solche Filmchen gestolpert bin.

Diese Videos hier zeigen Flugzeuge. Die brennen nicht, die sprühen nicht irgendwelche Substanzen aus, die fliegen einfach nur. Schaut es euch einmal an, die Filmchen sind imposant. Man könnte glatt daran glauben, dass da Vorsatz ist, dass da jemand Chemikalien versprüht. Es gibt Menschen, die das behaupten. So, dann wollen wir mal, das ist nämlich Natur, und zwar pur:

Klimatologie. Physik der Atmosphäre. Das Fach ist nicht ganz easy. Ich versuche es, beschreibe diesen Effekt für Euch in verständlichem Deutsch:

Wasserdampf ist unsichtbar. Wasserdampf ist Wasser als Gas. Wenn ihr „Wasserdampf“ seht, dann ist es kein Gas, dann ist es flüssig. Nur die Tropfen sind dann klein, aber eben echte Tropfen und aus flüssigem Wasser und damit sichtbar, meistens weiß, weil sich das Licht diffus darin bricht. Verschwinden die Wölkchen vor deinen Augen wie von Zauberhand, so zaubert da nix, sondern Wasser wechselt wieder der Zustand von flüssig zu Gas. Es bleibt aber Wasser und es ist in der Luft, so oder so, als Wolke oder Gas.

Je kälter Luft ist, desto weniger Wasser kann sie halten als Gas. Das ist ein Gesetz. Kühlt Luft ab, zum Beispiel beim Austritt aus einem Wasserkessel, kondensiert es und wird flüssig in winzigen Tröpfchen. Viele dieser Tröpfchen bilden ein Wölkchen, viele Wölkchen eine Schwade, viele … und so weiter.

An diese Materie wird sich der eine oder andere erinnern aus der Schule, damals in Physik. Da wird das gelehrt. In Wahrheit ist es komplizierter: Die Tröpfchen bilden sich nicht einfach so aus dem Nichts. Nur fallende Temperatur reicht nicht. Die Wasser(dampf)moleküle tun sich schwer, wollen sich nicht aneinanderlegen und zu flüssigem Wasser werden. Das hat mit ihrer Oberfläche zu tun. Egal. Sie wollen es nicht. Sie weigern sich. Die brauchen Hilfe. Sie brauchen Staub, ein winziges kleines Teilchen in der Luft, ein anderes Wassertröpfchen, gerne auch ein Salzkristall. Ohne das beginnt der Prozess nicht und aus Gas wird kein Tröpfchen. Warum das genau so ist und nicht anders, sei mal egal, merkt euch einfach, dass Wassermoleküle generell zur Sturheit neigen.

In deiner Welt, da wo du bist am Boden, ist immer Staub in der Luft. Und zwar jede Menge. Und wenn es kein Staub ist, so sind es große Moleküle, Salze, Fasern, irgendetwas schwebt da immer herum. Wasserdampf findet bodennah und die ersten Kilometer in die Höhe immer irgendwelchen Dreck, an den es sich heften kann. Deshalb hat die Luft dort nie mehr an Luftfeuchtigkeit als hundert Prozent (sogar nie hundert Prozent, aber das führt zu weit).

In höheren Luftschichten sieht das anders aus. Besonders unter Hochdruckeinfluss kann in der Höhe sehr staubfreie Luft entstehen. Kühlt diese Luft ab, etwa durch Ausstrahlung an den Weltraum – gerne in klaren Nächten – so kann es sein, dass riesige Luftschichten übersättigt sind. Das bedeutet es ist mehr Wasserdampf – gemeint ist das Gas – in der Luft, als die Luft eigentlich halten kann. Sie ist zu kalt geworden für das ganz Wasser, was sie in sich trägt. Sie hat das Wasser als Gas in sich. Es ist teil der Luft. Aber es müsste kondensieren und zu Tropfen werden, kann es aber nicht, denn der Staub für die Bildung der Tröpfchen fehlt. Die Luft ist zu klar. Die Gasmoleküle schalten auf stur und bilden keine Tropfen. Sie müssen verheiratet werden. Der Kondensationskern fehlt. Die Luft ist komplett klar und rein.  

Und genau in diese Situation, und genau in diesen Höhen fliegen Flugzeuge. Die Triebwerke stoßen Abgase aus und zwar reichlich. Auch gibt es Turbulenz- und thermische Effekte hinter den Flugzeugen. Egal jetzt hier mal. Im Ergebnis hinterlässt das Flugzeug eine riesige Fahne Staubkörner/Rußpartikel und Großmoleküle und schlagartig schalten die Wasserdampfmoleküle der Umgebungsluft von stur auf brav und finden sich. Sie kondensieren blitzartig als Wolke aus. Die Abgaspartikel verheiraten sie.

Das seht ihr da auf diesen Videos. Da ist ein klitzekleinesbisschen Abgas, d.h. Dreck in der Luft, und ganz viel Wasser, was endlich brav flüssig und damit sichtbar geworden ist. (Auch die Flugzeuge stoßen Wasser mit dem Abgas aus und und und. Die Beschreibung ist nicht komplett, soll lieber verständlich sein, das ist mir wichtiger)

Liebe Chemtrail-Theoretiker. Hier liegt ihr vollkommen falsch. Ihr denkt, wo Rauch sei, müsse Feuer sein, aber es ist kein Rauch, es ist nur Dampf, tut mir leid. Aber es ist wirklich imposant, sieht irre aus. Und – es wirkt auf das Klima, das stimmt. Sehr sogar. Aber ganz anders wirkt es, als man denkt. Das ist nämlich dann wirklich total abgefahren komplex und kompliziert.

P.S.: Habt ihr schon einmal die Dampffahnen hinter Windrädern gesehen? Das gibt es auch. Ein Windrad – kein Abgas! – und dahinter ein Schweif Kondensat – Das ist die Steigerung davon, Bewegung kann Kondensation! Man kann Wolken schneiden! Atmosphärenphysik ist höllisch kompliziert. Glaubt keinem, der einfache Antworten hat in diesem Fach.

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