Nie mehr Hamstern – Thema Klopapier

Darf ich an dieser Stelle einmal einen Vorschlag machen? Ich weiß, dass es Perlen vor die Säue sind, dass niemand ernst nimmt was ich sage. Schlimm genug. Darf ich trotzdem meinen Vorschlag machen? Nur weil er logisch ist und funktioniert. Nur mal so zur Unterhaltung?

Also hier meine ultimativ-endgültige und für alle Zeit funktionable Lösung, wie man die Welt vor dem Klopapiermangel befreit.

Sie steht ja wieder an, die Klopapierplanwirtschaft, die Mangelverwaltung im Segment Hygienepapier. Und ich möchte gar nicht darauf eingehen, warum in Deutschland ausgerechnet Klopapier der Krisenanzeiger ist und nicht etwa Tabak und Zigarette wie in Frankreich. Sigmund Freud – anale Phase versus orale Phase und so, aber lassen wir das. Ich will nicht behaupten, dass die Franzosen fortgeschrittener in ihrer Entwicklung sind. Sind sie aber.

Meine Lösung für das Problem „Klopapiermangel bei Weltuntergang“ ist ultimativ und final, da sie die Mangelkette unterbricht für alle Zeit. Nur leider ist sie unbeliebt, denn sie ist nicht sozialistisch genug.

Gebt die Preise für Klopapier frei, dann ist das Problem vorbei. Huihuihui, was für ein Frevel. Eine kapitalistische Lösung, ich weiß, ich weiß. Ich bin böse. Ich will zwar nur helfen, aber der Kapitalist ist böse, immer. Punkt.

Aber der Reihe nach.

Was passiert, wenn Deutschlands Bürger Klopapier hamstern? – Eine diffuse Angst, dass Knappheit eintreten könnte, leitet das Kataströphchen ein. Ein Versorgungsengpass könnte drohen! Könnte! Konjunktiv! Es ist noch nicht mal ein Gerücht, ein diffuses „könnte sein“ liegt in der Luft. Also kaufen die Menschen mehr als sonst. Sie legen Vorrat an.

Es trifft immer nur bestimmte Güter. Die müssen gefühlt existenziell sein. Und haltbar. Und tragbar. Klopapier ist ideal. Das sehen die Mitkonsumenten und teilen diese Angst. Sie ist ansteckend. Das geht ganz ganz schnell. Im Supermarkt zwischen Tiefkühlkost und Brötchentheke denkt man so: Ach verdammt, ich habe nur sieben Rollen im Regal und jeder hier kauft hier ein Paket. Warum? Das ist gleich aus bestimmt! ALARM! Also gehst du zurück, kaufst ebenfalls und du steigerst die Nachfrage mit deinem Kauf.  

Damit tritt ein, was befürchtet wurde. Das Klopapier ist aus, die Regale leer, wenn auch nur kurze Zeit. Aber es ist vergriffen und das merkt man sich! Also kauft man immer, wenn welches geliefert wird und zwar ganz schnell und ganz viel und füllt ein Depot. Man reißt es dem Händler von der Europalette, bevor diese die Stellage erreicht. Man lässt die Kinder seinen Einkaufswagen bewachen, damit kein anderer den Einkauf klaut. Nur gut, dass der Boden aus harten Fliesen ist im Supermarkt, sonst würden Schützengräben ausgehoben.

So geht das natürlich nicht. Man denke an die alten Leute, die Alleinerziehenden, Berufstätigen. Sie werden ein Leben ohne Klopapier führen müssen in Zukunft, denn für die langsamen ist nichts mehr da.

Da muss man lenken, steuern, eingreifen, das ist sozial. Jeder nur ein Paket! An der Kasse wirst du angebrüllt, aber sowas von, du Parasit! Der nächste Schritt wäre der Bezugsschein, oder die Zuteilung vom Amt monatlich. Jeder nur ein Paket, reicht. Und wehe du nimmst mehr! Zum Beispiel weil du den Haushalt deiner Mutter mitversorgst! Das geht nicht! – total unsozial das System, aber egal. Es geht um die Sache. Und damit ist heimlich unterschrieben, dass Hamstern richtig ist. Es ist ja wirklich knapp das Klopapier. Man wäre dumm, hamstere man nicht. So schließt sich der Kreis. Rationierung erzeugt Mangel. Fünf vor Planwirtschaft.

Natürlich wird auf alle mit dem Finger gezeigt, und zwar gegenseitig, da Klopapierhamstern ungerecht, unsozial, asozial ist. Wer anderen das Papier vom Hintern klaut, ist mindestens schlecht. Dabei ist es überhaupt nicht unsozial, wenn du hamsterst, im Gegenteil. Du versorgst nur deine Lieben und dich selbst und das auf Vorrat, was ja – siehe Knappheit – auch gerechtfertigt ist. Es ist ja nicht genug da!

Es ist kein deutsches Phänomen. In anderen Ländern gibt es das auch. Und immerschon. Beschrieben wurde dieses Verhalten vor hundert Jahren bereits.

Du kannst jetzt die Menschen belehren und zu Gutem auffordern und sie werden dazu verständig nicken. Trotzdem werden alle so handeln, außer den total verpeilten, den idealistischen Deppen. Der Mensch ist ja nicht dumm und vor allem will einen sauberen Hintern.

Jetzt komme ich, mit meinem Vorschlag der idealen Welt:

Gebt die Preise für das Klopapier frei! Wird viel gekauft, freut sich der Händler und erhöht die Preise. Das geht ganz schnell, denn das lohnt sich für ihn und zwar je mehr, desto mehr gekauft wird. Der Konsument aber sieht die hohen Preise und wartet dann lieber ab, bis die Preise gefallen sind. Fünf Euro für drei Rollen! – bin ich bekloppt? Nein! Also nicht heute, er hat ja noch ein paar Rollen im Schrank. Die Produzenten werden von hohen Preisen gelockt und produzieren mehr Klopapier. Ganze Wälder werden abgeholzt und auf Rolle gedreht, kommt es dick. Wohin jetzt mit dem Zeug? Die Händler senken die Preise und nach ein, zwei Tagen ist der Spuk vorbei und die Regale voll. Die Preise sind wieder angemessen, Kauf und Verkauf lukrativ, alles sind versorgt. Ende der Krise. – Und beim nächsten Mal weißt du, kein Problem, das regelt sich, denn niemand regelt das. Drei Rollen reichen vollkommen aus zuhause im Regal. Safe!

An dieser Stelle: – Nein, ich behaupte nicht, dass der Markt alles regeln kann. Marktgesetze versagen und sogar oft. Aber im Gegensatz zu Kommunismus und Sozialismus sind Marktgesetze keine Ideologie, sondern Naturgesetze! Sie gelten immer. Sowohl bei Mensch, wie auch bei Tier. Löwen und Antilopen kennen das Angebot und Nachfragespiel genau wie wir, wenn auch nicht so bewusst.

Marktgesetze – egal ob bei Klopapier, Birnen, Autos oder Wasser gelten immer! Sie sind wie die Schwerkraft, sie sind einfach da, weil Mechanik der Welt. Selbstverständlich gibt es Stellen, Gründe und Situationen, wo man anders handeln und steuern muss. Wir handeln ja auch gegen und oft und bewusst gegen die Schwerkraft und legen ein Buch in das Regal, trotzen den Kräften aus gutem Grund, weil es sinnvoll ist. Entscheidend ist die Kräfte auszunutzen. Lasse den Dingen ihren Lauf, besonders beim Deal mit dem Klopapier. Und bei allen anderen Dingen auch. Die Ausnahmen – Marktversagen – gehören nicht hierher. Das ist wichtig zu kennen, aber das ist für Spezialisten und total selten. Stichwort Monopol et al.

Lustig finde ich, dass sich die Menschen wundern darüber. Schon wieder kaufen sie Klopapier als drohe das Ende der Welt. Natürlich kaufen sie, und zwar früher und mehr als zuvor, denn es ist intelligent: Sie haben gelernt: Krise bedeutet, es wird rationiert ganz bestimmt. Ich habe zehn Pakete im Keller und die sind nur für mich. Meine Frau bunkert selbst!

Wehe, was uns blüht, wenn sich der Sozialismus breitmacht mit seiner Planwirtschaft. Es gibt Anzeichen dafür. Wir sind Milliarden Menschen und wir brauchen effiziente Produktions- und Verteilungsstrukturen. Für Milliarden Menschen ist die Welt im Sozialismus zu klein, bzw. ist dann nicht genug da für alle. Zum Beispiel Klopapier, wobei der saubere Hintern ist im Sozialismus das kleinste Problem, denn da sind alle am Arsch.

3 Kommentare zu „Nie mehr Hamstern – Thema Klopapier

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  1. Danke endlich mal wieder etwas zum lachen. Aber deine Kalkulation mit den 5 Euro geht bei den Deutschen nicht auf. Weil wenn es teurer wird beziehen die das nicht auf die Nachfrage, die sind der Meinung jetzt naht das Ende. Also schnell noch mehr kaufen bevor es gar nichts mehr gibt. Aber einen Volk das zu dämlich ist zu erkennen das es total verar… wird, sollte man Prinzipiell 20 Euro für eine Rolle abknöpfen. Wer es einfach hinnimmt die höchsten Strom und Handytarife, die meisten Steuern zu zahlen ohne murren, dem kannst du auch erzählen das ein Todesvirus umgeht an dem einfach keiner stirbt. Aber wenn Merkel sagt die Zahlen sind so hoch wie nie, die gute Mutti aus der ehemaligen DDR, dann fragt das Volk nicht weiter nach. Das Mutti meinte Gestern ist einer erkrankt und Heute waren es Zwei ja das ist dann nicht so wichtig, wie die nächste Rolle Klopapier.

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